Gesundheit:

 
   

Was tun, wenn Mobbing krank macht?

Dazu erst einmal vorab folgende Grundüberlegungen (siehe hierzu Download „Stress“):

- Mobbing ist Stress am Arbeitsplatz. 
- Umgang mit Stress ist grundsätzlich erlernbar


Dies setzt allerdings eine hohe Eigenbereitschaft zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Stress – und damit mit dem Problem Mobbing – bei den Betroffenen voraus. 

Am besten: lassen Sie es erst gar nicht bis zur Arbeitsunfähigkeit kommen, lesen Sie nachfolgenden Text auch unter dem Gesichtspunkt, rechtzeitig vorzubeugen.

- Präventivangebote nutzen, Wissen erwerben

Oft haben Betroffene vor der Erkrankung bzw. Arbeitsunfähigkeit Hilfe gesucht (z.B. bei Arbeitnehmervertretern, Rechtsanwälten, Ärzten, Beratern) und nicht ausreichend Hilfe gefunden, um eine auf Dauer befriedigende Lösung der Situation herbeizuführen. Dadurch verschärft sich meist die Stress-Situation am Arbeitsplatz: Das durch diese Erfahrung der Nicht-Hilfe zugrunde liegende Gefühl der Ausweglosigkeit verstärkt sich noch durch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, dem Gefühl des Versagens, der Existenznot. Letzteres hat insbesondere seit in Kraft treten des ALG II stark zugenommen. 

-Also benötigen Betroffene auch eine umfassende Analyse ihrer Gesamtsituation 
(BERATUNG)


Die Erteilung von einfachen Ratschlägen (z.B. Entspannungstechniken lernen, zum Anwalt gehen, einen Rhetorik-Kurs besuchen) sind nur dann hilfreich, wenn klar ist, was der Betroffene zu welchem Zeitpunkt und mit welchem Erfolg bzw. Misserfolg unternommen hat. 
Dabei ist vor allen Dingen zu berücksichtigen, ob der Betroffene aufgrund seiner physischen und psychischen Verfassung überhaupt noch in der Lage ist, Hilfsangebote zu erlernen und vor allen Dingen auch nachhaltig umzusetzen.

Der Ratschlag „Kündigung“ verstärkt nur das Gefühl der Ausweglosigkeit, des Verlierens, des Versagens und hängt Betroffenen, die eigentlich zu diesem Schritt zum Zeitpunkt des Gesprächs nicht bereit waren, negativ nach. Oft überträgt sich das Problem – mit allen gesundheitlichen Folgen – auf den nächsten Arbeitsplatz, weil es unbewältigt blieb. 

-Betroffene benötigen passgenaue Hilfsangebote. 

Zur Bewertung der gesundheitlichen Verfassung gehört auch die Abklärung von körperlichen Beschwerden (Schlaflosigkeit, Kopf- und Magenschmerzen) und die Bewertung des sozialen Umfeldes (z.B. negative Auswirkungen auf das Privatleben, zunehmende Isolation); gerade letzteres erfordert eine gute Vertrauensbasis.

- Aus dem Zusammenhang von physischen Beschwerden unter psychischer 
Dauerbelastung ergibt sich die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung.


Ist die aktuelle (und leider meist akute) Sachlage rationell bewertet und dem betreffenden Arbeitnehmer klar, so empfehlen wir im allgemeinen folgende Schritte: 

1. Falls noch nicht geschehen: 

- Besuch des Hausarztes, Besuch des Facharztes
- Beratung bei der Krankenkasse (Reha-Maßnahmen, Kuren, Kursangebote zum Stress-Abbau...)

2. Besuch einer Mobbing-Selbsthilfegruppe (SELBSTHILFEGRUPPE)

Selbsthilfegruppen dienen der gegenseitigen Unterstützung, des Erfahrungsaus-tausches in vielfältiger Weise (mit Therapeuten, mit Anwälten, mit Kursen, mit Sport...). Die Teilnehmer nehmen und geben Informationen, sie erzählen von ihrer Situation, von ihren Fortschritten und ermutigen sich gegenseitig bei Rückschlägen, sie verstehen einander, weil sie die Situation durch das eigene Erleben nachvollziehen können... 
Sie entlasten Angehörige von „kreisenden“ Gesprächen und tragen dadurch zur Stabilisierung des Privatlebens bei.

3. Erwerb von Wissen 
WAS IST MOBBING? WO FÄNGT MOBBING AN?
Informationen über Mobbing helfen die eigene Situation realistisch einzuschätzen, rationell zu bewerten und Ursachen für die belastende Situation zu finden. Dadurch wird klar, welche Hilfen und Maßnahmen zur Problemlösung letztlich notwendig sind.
(DOWNLOADS)

Das Wissen um die Rechtslage kann zur Stärkung des Selbstbewusstseins beitragen.
(RECHT)

4. Ergotherapie
Ergotherapeuten arbeiten mit Patienten auf physischer und psychischer Ebene. Gerade dieser therapeutische Ansatz kommt bei der Diagnose „Erkrankung durch Mobbing“ zum Tragen. Da Mobbing auf Kommunikations- und Verhaltensebene stattfindet, ist bei Verweisung an eine(n) Ergotherapeuten/In auf dessen/deren Erfahrungen im Umgang mit psychisch Erkrankten zu achten.
Tipp: eine Zusatzausbildung in Verhaltenstherapie weißt auf eine entsprechend gute Qualifikation hin. 
Gerade im Hinblick auf meist zu lange Wartezeiten von Betroffenen auf einen Therapieplatz bei einem Facharzt/Psychotherapeuten kann die Zeit durch ergotherapeutische Verordnungen im Sinne der Verkürzung der Krankenphase und des aktiven Angehens des Problems sinnvoll genutzt werden. 

5. Heilpraktiker
Heilpraktiker betrachten den Patienten ganzheitlich. Sie können Therapien ergänzen und sind manchmal auch eine echte Alternative. Unsere Empfehlung: Umhören – offen sein – ausprobieren – und sich immer selbst fragen „tut mir das gut oder nicht?“. Sie sind der Patient, Sie entscheiden: Es ist Ihr Leben. 

6. Ergänzende Möglichkeiten:

6.1 Rhetorik-Kurse
Mobbing findet in erster Linie auf der Kommunikations- und Verhaltensebene statt. Für Betroffene kann daher ein Rhetorik-Training sinnvoll sein. Die alleinige Absolvierung eines Rhetorik-Kurses führt jedoch im allgemeinen nicht zum Erfolg. Teilnehmer erlernen zwar oft Kommunikationstechniken, können diese aber mangels Selbstwertgefühl nicht umsetzen. Erst die Auseinandersetzung mit der Situation macht deutlich, wie Gesprächssituationen am Arbeitsplatz ablaufen, welches Verhalten diese auslösen und welche alternativen Möglichkeiten der Betroffene hat, zu agieren und zu reagieren. Daneben bedeutet Training ein stetiges Üben und Mut zu finden, das Erlernte auch in der realen Mobbingsituation am Arbeitsplatz tatsächlich umzusetzen.

5.2 Sport, Entspannungsübungen ....
Sport und körperliche Aktivitäten stärken das Selbstbewusstsein und die Selbstwahrnehmung. Der Zusammenhang zwischen körperlichem und seelischem Wohlbefinden ist vielen Menschen mittlerweile klar und wird in der Regel auch bejaht, jedoch erfolgt oft von Betroffenen (aus Energie- und Zeitmangel?!) keine entsprechende Umsetzung. 
Wir möchten Betroffene an dieser Stelle ermutigen, einfach einmal auszuprobieren (Tipp: Angebote der Krankenkassen nutzen): Nordic-Walking, Erlernung einer Entspannungstechnik (Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation (PMR) nach Jacobson, Feldenkrais-Übungen...), Tai-Chi, Qigong oder einfach eine Sportart, die Sie schon immer gerne ausüben wollten, für die Sie aber nicht (mehr) Zeit fanden.
Nehmen Sie sich jetzt die Zeit, um einer Isolation entgegenzuwirken und das Selbstbewusstsein zu stärken.

5.3 Ehrenamtliches Engagement, Hobbies ...
Ehrenamtler sind gesucht – und werden wert-geschätzt! 
Gerade an Wertschätzung mangelt es vielen Betroffenen an ihrem Arbeitsplatz.
Auch hier möchten wir Betroffene ermutigen: Für welche Interessen hatten Sie bis dato keine Zeit? Welcher Verein interessiert Sie? Was würden Sie gerne lernen? Welche Hobbies hatten Sie früher und verdienen, wieder „geweckt“ zu werden? 
Wenn Ihnen gar nichts einfällt, dann fragen Sie mal in einer Einrichtung wie das Freiwilligenzentrum nach....

5.4 Weiteres
Wir gestalten diese Seite auch durch Rückmeldung Betroffener und deren Erfahrungen, mit Sicherheit gibt es noch mehr Anregungen für Betroffene. Für weitere Empfehlungen sind wir offen, senden Sie uns einfach eine e-mail.


 

Aktualisierung am 01.01.2012