Recht:

 
   

Der Rechtsanwalt kann ein Urteil erstreiten, der Arbeitnehmer muss mit dem Urteil leben ...

Was heißt das bei Mobbing?

Wer an seinem Arbeitsplatz von Mobbing betroffen ist, benötigt neben der Stabilisierung der Gesundheit auch allgemeine und insbesondere rechtliche Informationen über seine persönliche Lage.

Gemobbte Arbeitnehmer resignieren häufig im Glauben, rechtlos den meist willkürlichen Schikanen ausgesetzt zu sein. Dem ist mitnichten so. Um dem bösen Spiel ein für den Geschädigten akzeptables Ende zu bereiten, ist eine vorausschauende, strategische, oft auch länger dauernde Planung in enger Zusammenarbeit mit dem Rechtsanwalt nötig. Mobbing ist ein Geschehnisprozess, der eine eigene Dynamik entwickelt. Die rechtlichen Möglichkeiten erschließen sich oft erst im Laufe der Entwicklung.

Das ist die eine Seite.


Wichtig ist, dass sich der Arbeitnehmer über sein Ziel im Klaren wird:

- Erhalt des Arbeitsplatzes – egal wie? 
- Auflösung des Arbeitsverhältnisses – zu welchen Konditionen?
- Entfernung des Mobbers vom Arbeitsplatz – ist das realistisch?

Wer sich über sein Ziel nicht im Klaren ist, der sollte erst einmal von Grund auf seine Situation analysieren und seine Möglichkeiten finden, um dann seinen Weg zu gehen – mit Begleitung, aber letztlich eigenverantwortlich.

Der Rechtsanwalt ist eine Möglichkeit der Begleitung auf dem Weg aus dem Mobbing; er vertritt die Interessen des Mandanten, aber: mit dem Urteil muss der Mandant weiterleben. Er muss auch damit – je nach Zielvorgabe – wieder zum Arbeitsplatz (was nicht unmöglich ist!). 

Das ist die andere Seite.

Vor allen Dingen aber sollte eines nicht sein: das Gefühl letztlich weiter ein Opfer zu sein. Und dazu gehören oftmals neben dem Rechtsanwalt weitere gute Begleiter – zur Unterstützung, zum Mut machen, zur Analyse und nachhaltiger Verfolgung des Ziels... 

Eine gut geleitete Mobbing-Selbsthilfegruppe und/oder ein Mobbingberater, der über umfassende Kenntnisse verfügt, unterstützt bei der Zielfindung.

Im allgemeinen ist jedoch unbedingt folgende Handlungsabfolge zu empfehlen:

1. Beschwerde (§85 BetrVG)
Gemobbte sollten sich beschweren. Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz sollten sich beschweren (vgl. Urteil des Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, AZ: 5 Sa 595/05). Der Betriebsrat hat ein Mittel in der Hand die Einigungsstelle anzurufen. Darüber hinaus kann er das Staatliche Amt für Arbeitsschutz (StafA) einschalten (ergänzend hierzu siehe auch einen Bericht des Staatl. Amtes für Arbeitsschutz unter PRESSE)

2. Mobbingtagebuch
Die tatsächlichen Umstände eines Mobbingvorwurfes sind hinreichend und schlüssig darzulegen, diagnostizierte Erkrankungen müssen nachweislich im Zusammenhang mit den vorgebrachten Mobbingtatbeständen stehen; die bewusste Schädigung des Arbeitnehmers muss nachgewiesen werden (LArbG Rheinland-Pfalz, Az.: 9 Sa 935/06). 

3. Alle im Betrieb tätigen Personen sind nach den Grundsätzen von Recht und Billigkeit zu behandeln (§ 75 BetrVG). Der Arbeitgeber muss durch entsprechende Organisation der Betriebs- und Arbeitsstrukturen Mobbing ausschließen. Er darf selbst nicht aktiv mobben, er darf aber auch nicht passiv Mobbing dulden. Der Arbeitgeber ist zur Abhilfe verpflichtet...(AZ: BArbG 8 AZR 593/06). Ihm sollte auch die Chance auf Abhilfe gegeben werden, bevor man zum Gericht geht.

Achtung:
Mobbing im öffentlichen Dienst und Mobbing in der Privatwirtschaft sind juristisch differenziert zu betrachten. 

 
 
 

Aktualisierung am 01.01.2012